Was Deutschland jetzt überhaupt nicht brauchen kann, ist eine große Koalition, deshalb war ich auch ganz froh, dass Schulz das von Anfang an ausgeschlossen hat. Eine misslungene Jamaika-Sondierung und ein Gespräch mit dem Bundespräsidenten später klingt das aber schon wieder anders. Schulz will die SPD-Mitglieder über eine mögliche Koalition abstimmen lassen. Hoffentlich stimmen sie dagegen!

Bitte keine Große Koalition!

Warum eine Minderheitsregierung besser ist

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Das Problem an der Großen Koalition – das haben die letzten 4 Jahre gezeigt – ist, dass es viel zu wenig Reibung gibt. Wenn man ehrlich ist haben da zwei Parteien die Regierung gestellt, die sich fast nicht unterscheiden, denn durch Merkels Kurs der Mitte ist die CDU ist ja über die Jahre eine etwas konservativere SPD geworden. Politische Auseinandersetzung – davon lebt eine Demokratie – gab es in den vergangenen Jahren fast gar nicht. Alles wurde in irgendwelchen Hinterzimmern abgesprochen, die Bundestagsabgeordneten mussten diesen Plänen dann nur noch zustimmen.

Wie wichtig aber die offene Auseinandersetzung und auch Schlagabtausch ist, das hat insbesondere die Debatte um die Ehe für alle letzten Sommer gezeigt, als die Abgeordneten nach ihrem Gewissen entscheiden durften und nicht nach der Vorgabe ihrer Fraktion (wahrscheinlich ist sie auch die einzige Debatte, die in Erinnerung geblieben ist).

Aber steht Merkel wie keine andere für das Vermeiden jeglicher Debatten. Entscheidungen oder Pläne werden als alternativlos bezeichnet, um Alternativen gar nicht erst diskutieren zu müssen, Entscheidungsfindungen werden nicht erklärt und selbst im Wahlkampf verschließt sie sich jeglicher Auseinandersetzung und lullt die Leute nur ein.

Diese Art und Weise des Politikmachens ist nicht nur nicht gut, sie ist sogar ziemlich gefährlich, denn während die einen sich gar nicht mehr für Politik interessieren, verlieren die anderen das Vertrauen in die Politik.

4 weitere Jahre Große Koalition bedeuten 4 weitere bequeme Jahre für Merkel, in denen sie mit Sicherheit nicht die Notwendigkeit sieht, ihren Politikstil zu ändern. Die Opposition ist zwar größer, es sind 4 Parteien statt bisher 2, eine davon ist sogar sehr laut, aber trotzdem bleibt eine Große Koalition nun mal eine große Koalition.

Gibt es eine Alternative?

Da Jamaika nicht funktioniert, bleiben nur eine Minderheitsregierung oder Neuwahlen. Neuwahlen halte ich für keine gute Idee, da sich die Stimmen für die Parteien zwar verschieben aber am Ende doch wieder nur die Großen Koalition oder Jamaika möglich sind (oder glaubt ernsthaft jemand, dass Union und Grüne zusammen auf über 50% kommen, denn darauf spekulieren sie ja).

Eine Minderheitsregierung wird zwar meist mit instabilen Staaten assoziiert, hat aber den großen Vorteil, dass im Bundestag wieder richtig debattiert wird. Wenn die Regierung sich für jedes einzelne Gesetzesvorhaben eine neue Mehrheit suchen muss, ist das ein Gewinn für die politische Kultur, nicht nur im Bundestag sondern auch in der gesamten deutschen Gesellschaft. Da wäre es auch nur ein verhältnismäßig geringes Übel, dass sich der Gesetzgebungsprozess in die Länge zeiht und manche Vorhaben auch scheitern.

Die Minderheitsregierung hätte aber auch noch einen anderen Vorteil.

Sie würde den Parteien Zeit verschaffen. Zeit, die sie brauchen, um sich auf die nächste Wahl vorzubereiten und sich neu aufzustellen.

Die SPD braucht endlich wieder Visionen, die Grünen müssen sich entscheiden, ob sie konservativ oder links sein wollen, die CSU braucht einen gefestigten Parteivorsitzenden und Ministerpräsidenten, die FDP muss zeigen, dass sie mehr ist, als der Jamaika-Spielverderber und die CDU muss sich überlegen, ob sie Merkels Kurs der Mitte weiterfährt oder ob sie wieder konservativer werden will (und wenn sie sich für letzteres entscheidet, braucht sie auch einen Nachfolger für Merkel).

Merkel wird die Minderheitsregierung hassen. Sie wird es hassen, sich ständig erklären zu müssen und nicht einfach durchregieren zu können, das ist einfach nicht ihr Stil. Ich denke auch, dass die Minderheitsregierung früher oder später das Ende von Merkel bedeuten würde, daher will sie dieses Szenario auch unbedingt vermeiden.

Darauf spekulieren meiner Meinung nach bis auf die Grünen, die nur mit Merkel von schwarz-grün träumen können, auch alle anderen Parteien. Alle wollen Merkel loswerden. Die SPD glaubt immer noch, dass sie so schlecht abschneidet, weil Merkel ihnen alle wichtigen Themen weggenommen hat. Die FDP macht Merkel dafür verantwortlich, dass sie 2013 aus dem Bundestag gewählt wurden. Der CSU ist Merkel nicht konservativ genug und auch in der CDU mehren sich die Stimmen, dass man besser dastünde, wenn Merkel nicht mehr wäre.

Eine Minderheitsregierung wäre also für alle gut – für die Parteien und für Deutschland. Mal sehen, ob das die SPD-Mitglieder auch so sehen.


No grand coalition, please!

What Germany does not need at all is a grand coalition, so I was glad that Martin Schulz from the SPD had ruled that out right from the start. A failed Jamaican-coalation and a conversation with the president later he might have changed his mind. Schulz wants to have the SPD members decide about a possible coalition. Hopefully they will vote against it!

The problem with the grand coalition – as the last 4 years have shown – is that there is far too little friction. To be honest, there have been two parties that have almost no differences because through Merkel has made the CDU has become a more conservative SPD over the years. Political confrontation – that’s what a democracy lives from – has hardly existed in recent years. Everything was decided in back rooms and the members of the parliament only had to agree to these plans.

Especially the debate on free marriage for all the past summer when the deputies were allowed to decide their conscience and not according to the specification of their group (probably it is also the only debate that is remembered) showed the importance of an open debate and the exchange of side blows.

But Merkel stands like noone else for the avoidance of any debate. Decisions or plans are said to have no alternative so she doesn’t have to discuss alternatives, decision-making is not explained and even during the election campaign, she avoids any argument and lulls people to sleep.

Doing this for four more years would be quite dangerous because while some people are no longer interested in politics, others lose faith in politics.

4 more years grand coalition means 4 more comfortable years for Merkel in which she certainly does not see the need to change her style of doing politics. The opposition is bigger, there are 4 parties instead of 2 now, one of them is even very loud, but a grand coalition is still a grand coalition.

Is there an alternative?
Since the Jamaica-coalation does not work, only a minority government or new elections are possible. I do not think that new elections are a good idea because the votes might be shifting for the parties but in the end only the grand coalition or Jamaica- coalition are possible (or does anyone seriously believe that the CDU and the Greens together come to more than 50%).

Although a minority government is usually associated with unstable states, it has the great advantage of bringing debates back to the parliament. If the government has to seek a new majority for every single legislative proposal, that is a gain for the political culture, not only in the parliament but also in the entire German society.

The minority government would have another advantage.
It would give the parties time. Time to prepare for the next election.

The SPD finally needs a vision again, the Greens have to decide whether they want to be conservative or lefty, the CSU needs a solid party leader and prime minister, the FDP has to show that it is more than the Jamaican-spoilsport and the CDU has to decide if they want to continue Merkel’s course ot if they want to get more conservative again (and if they choose the latter, they need a successor to Merkel).

Merkel will hate the minority government. She will hate having to explain herself all the time and not be able to govern easily, that’s just not her style. I also think that sooner or later the minority government would mean the end of Merkel, that’s why she wants to avoid this scenario.

All the partys want to get rid of Merkel. The SPD blames Merkel for her bad results at the election, the FDP makes Merkel responsible for net being elected to the parliament in 2013. The CSU says that Merkel is not enough conservative and also in the CDU there are increasing the voices that talk about a future without Merkel.

A minority government would be good for everyone – for the parties and for Germany. Let’s see if the SPD members see it that way.

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