Das Chefdesigner Karussell 2018 – Was wird aus Phoebe Philo?

12/05/2018

Fünf Jahre nach der letzten großen Rochade wechseln wieder einmal die Creative Directors und Chefdesigner quer durch die großen europäischen Modehäuser. Neueinsteiger wie Virgil Abloh verdrängen die etablierten Designer wie Kim Jones oder Kris Van Assche, die wiederum andere Designer verdrängen. Doch für eine scheint es keinen Platz mehr zu geben: Phoebe Philo. Oder doch? Wir haben da eine Theorie…

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Das Chefdesigner
Karussell 2018

Was wird aus Phoebe Philo?

Virgil Abloh wird Chefdesigner
bei Louis Vuitton Homme

Virgil Abloh hat es eigentlich seinem Vorgänger Kim Jones zu verdanken, dass er von nun an die Herrenlinie bei Louis Vuitton führt, denn Kim Jones war es, der die Kollaboration von Louis Vuitton und Surpreme verantwortete. Die war für LV wohl so erfolgreich, dass sie sich jetzt gleich den Meister der Kollaborationen ins Haus holen.

Virgil Abloh startete seine Karriere mit einem Praktikum bei Fendi, wo er Kanye West traf (der dort auch eine Praktikum machte). Der holte Abloh direkt zu seiner Kreativagentur DONDA, bis er schließlich sein Label Off-White in Mailand gründete. Mit ihr brachte er klassische Streetwear in die Luxus-Fashion-Liga und ging Kooperationen unter anderem mit Nike, Jimmy Choo oder zuletzt IKEA ein.

Wir erwarten uns von dieser Besetzung, dass Louis Vuitton noch viel lässiger wird, aber hoffen, dass Virgil Abloh der Spagat zwischen Streetstyle und klassischer Männermode gelingt und dabei der großen Tradition von Louis Vuitton treu bleibt.

Kim Jones wird Chefdesigner bei Dior Homme

Auch Kim Jones hat eine Kanye West Vergangenheit. Er arbeitete für sein inzwischen eingestelltes Label Pastelle, bevor er vor sieben Jahren die Herrenmode von Louis Vuitton übernahm. Er machte das Traditionslabel moderner, hat es mit immer mehr Streetstyle Einflüssen verjüngt und bereitete so, nicht nur durch die Kooperation mit Surpreme den Weg für Virgil Abloh.

Bei Dior Homme ersetzt er Kris Van Assche. Aber wenn man ehrlich ist, ersetzt er eigentlich dessen Vorgänger Hedi Slimane, der mit seinen extrem schmal geschnittenen Anzügen und dunklen Farben eine ganz Generation geprägt hat. Kris Van Assche, zuvor Slimanes Assistent, hat zwar durchaus seinen eigenen Fingerabdruck hinterlassen, blieb aber trotzdem meist in der Tradition Hedi Slimanes.

Wir denken, dass die Chefetage von Dior Homme bereit ist, das Label moderner zu machen – und modern heißt heutzutage eben: mehr Streetstyle-Einflüsse. Kim Jones hat das schon bei LV geschafft, warum also nicht bei Dior Homme.

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Kris Van Assche wird Chefdesigner bei Berluti

Da er bei Dior Homme den Weg für Kim Jones freimachen musste, hat auch Kris Van Assche einen neuen Platz gefunden. Er wird Chefdesigner bei Berluti, die Schuh-Manufaktur, die auch Herrenmode macht. Diese hat der kolumbianisch-französische Haider Ackermann in den letzten Jahren ziemlich gut geleitet, allerdings war er wohl ein bisschen zu klassisch – um nicht zu sagen langweilig. Die zur Zeit alles entscheidenden Streetwear-Einflüsse gab es bei ihm nicht.

Kris van Assche hat sie jetzt zum Ende seiner Dior Homme Zeit gezeigt, beispielsweise mit seiner HarDior-Kollektion. Er wird nun auch langsam und vorsichtig Berluti diesen modernen Anstrich verpassen.

Riccardo Tisci wird Chefdesigner
bei Burberry

Eine Ära geht zu Ende, Christopher Bailey ist nicht mehr Creative Director bei Burberry. Er hat das Traditionshaus in den vergangenen 16 Jahren vom Trenchcoat- und Karomuster-Image befreit und zu einer der größten Luxusmarken der Welt gemacht.

Große Fußstapfen, in die Riccardo Tisci da treten muss. Bisher war er Chefdesigner bei Givenchy, das er vom klassischen „Audrey Hepburn“-Kleidern zu Rock ’n‘ Roll und Gothik führte. Er selbst wurde zum Social Media Gott mit 2,3 Millionen Followern und Stars wie Madonna, Kanye West und Kim Kardashian trugen seine Kleidung – für Kim entwarf er sogar das Hochzeitskleid.

Burberrys neuer CEO – der war übrigens mal Tiscis Chef bei Givenchy – will nun offenbar das Erfolgsrezept wiederholen: Eine Traditionsmarke aufmischen, die zumindest in den letzten Seasons außer dem See-now-buy-now-Konzept nicht viel Neues geschaffen hat.

Hedi Slimane wird Chefdesigner bei Celine

Der spannendste Personalwechsel findet bei Celine statt. Hedi Slimane kommt nach zwei Jahren Kreativpause zurück zu einem großen Modehaus.

Kaum ein Designer hat die letzten 15 Jahre so sehr geprägt wie er. Bei Dior Homme etablierte er die Slim-Silhouette zu einer Zeit, als jeder Baggy-Pants getragen hat. Obwohl sie damals noch als Heroin-Chic verschrien waren, sind diese schlanken Linien bis heute in der gesamten Mode zu finden. Als er 2012 zu Yves Saint Laurent ging, veränderte er das Unternehmen radikal. Das fing beim Logo an und ging bis zum erfolgreichen Einzug des Rock ’n‘ Roll in die Kollektionen.

Da ist es klar, dass er auch Celine revolutionieren wird. Zwei Dinge sind jetzt schon bekannt: Celine wird Herrenmode und Couture machen. Für Männer also auf jeden Fall gute Neuigkeiten.

Phoebe Philo wird Chefdesignerin bei ???

Als Phoebe Philo 2008 zu Celine ging, fand sie es in keinem guten Zustand vor. Sie veränderte das Modehaus radikal, machte es zu einer minimalistischen, eleganten und modernen Marke. Dafür wurde sie gefeiert und mit vielen Preisen ausgezeichnet. Es gab wohl keine Designerin, die fester in ihrem Sitz saß, als sie. Umso erstaunlicher war es, als Ende 2017 bekannt wurde, dass sie selbst ihren Posten aufgeben wolle.

Ich habe es am Angang erwähnt, im Chefdesigner-Karussell sind nun alle freien Plätze besetzt, doch Phoebe Philo steht ohne neue Aufgabe da. Unsere Theorie ist – und wir haben das von einem gut informierten Insider bestätigen lassen – dass sie auf einen ganz bestimmten Posten spekuliert (oder das sogar schon ausgemacht ist). Eines der größten Modehäuser der Welt hat seit Jahrzehnten den selben Chefdesigner. Der ist inzwischen aber schon Mitte 80 und die Modewelt spricht immer lauter über seinen Abschied: Karl Lagerfeld bei Chanel.

Er selbst sagte vor ein paar Jahren, dass jeder hofft, dass er in Rente geht, damit sie an den Job kommen können. Und sein Job ist wohl der begehrteste der Modewelt.

Phoebe Philo traut man diesen Job zu, deshalb glauben wir, dass es nicht mehr lang dauert, bis der nächste Personalwechsel in der Modewelt bekanntgegeben wird.








Creative Director Carousel 2018

Five years after the last big castling, the creative directors and chief designers are once again changing across the major European fashion houses. New entrants such as Virgil Abloh are displacing established designers like Kim Jones or Kris Van Assche, who in turn are crowding out other designers. But for one there seems to be no room left: Pheobe Philo, does it? We have a theory…

Virgil Abloh changes to Louis Vuitton Homme
Virgil Abloh actually owes it to his predecessor Kim Jones that from now on he leads the men’s line at Louis Vuitton, because it was Kim Jones who was responsible for the collaboration of Louis Vuitton and Surpreme. That was probably so successful for LV that they now get the Master of Collaborations into the house right now.

Virgil Abloh started his career with an internship at Fendi, where he met Kanye West (who also did an internship there). He brought Abloh directly to his creative agency DONDA until he finally founded his label Off-White in Milan. With it, he brought classic streetwear in the luxury fashion league and entered into cooperations with, among others, Nike, Jimmy Choo or last IKEA.

We expect this line-up to make Louis Vuitton even more relaxed, but hope that Virgil Abloh will manage the balancing act between street style and classic menswear while remaining true to the great tradition of Louis Vuitton.

Kim Jones changes to Dior Homme
Kim Jones also has a Kanye West past. He worked for his now discontinued label Pastelle, before he took over the men’s fashion of Louis Vuitton seven years ago. He made the traditional label more modern, rejuvenated it with more and more streetstyle influences and thus paved the way for Virgil Abloh not only through the cooperation with Surpreme.

At Dior Homme he replaces Kris Van Assche. But to be honest, he actually replaces his predecessor Hedi Slimane, who has shaped a generation with his extremely slim-fitting suits and dark colors. Kris Van Assche, formerly Slimane’s assistant, has certainly left his own fingerprint, but still remained mostly in the tradition of Hedi Slimane.

We think Dior Homme’s boardroom is ready to make the label more modern – and modernizing today means more street style influences. Kim Jones did that at LV, so why not at Dior Homme.

Kris Van Assche changes to Berluti
Since he had to open the way for Kim Jones at Dior Homme, Kris Van Assche has also found a new place. He becomes head designer at Berluti, the shoe manufacturer that also makes men’s fashion. The Colombian-French Haider Ackermann has managed this pretty well in recent years, but he was probably a bit too classic – not to say boring. The currently all-important streetwear influences did not exist with him.

Kris van Assche has now shown them at the end of his Dior Homme period, for example with his HarDior collection. He will now give Berluti this modern image slowly and carefully.

Riccardo Tisci changes to Burberry
An era comes to an end, Christopher Bailey is no longer creative director at Burberry. He has freed Burberry from the trenchcoat and checked pattern image over the past 16 years and has made it to one of the largest luxury brands in the world.

Big footsteps that Riccardo Tisci has to step into. Up to now, he was chief designer at Givenchy, leading it from classic „Audrey Hepburn“ dresses to rock ’n‘ roll and gothic. He himself became the social media god with 2.3 million followers and stars like Madonna, Kanye West and Kim Kardashian wore his clothes – for Kim he even designed the wedding dress.

Burberry’s new CEO – who by the way, was Tisci’s boss at Givenchy – now apparently wants to repeat the recipe for success: stir up a traditional brand that has not created much new, at least in the last few seasons except the See Now Buy Now concept.

Hedi Slimane changes to Celine
The most exciting change of personnel takes place at Celine. Hedi Slimane returns to a big fashion house after two years of creative break.

Hardly any designer has shaped the last 15 years as much as he has. At Dior Homme, he established the slim silhouette at a time when everyone was wearing baggy pants. Although they were still known as heroin chic at the time, these sleek lines can still be found in all fashion today. When he joined Yves Saint Laurent in 2012, he changed the company radically. That started with the logo and went into the collections until the successful entry of rock ’n‘ roll.

So it’s clear he’s going to revolutionize Celine as well. Two things are already known: Celine will make men’s fashion and couture. Definitely good news for men.

Phoebe Philo changes to ???
When Pheobe Philo joined Celine in 2008, she found it in poor shape. She radically changed the fashion house making it a minimalist, elegant and modern brand. For that she was celebrated and awarded many prizes.

There was probably no designer who was more firmly in her seat than she was. It was all the more surprising, when it became known at the end of 2017 that she wanted to give up her own post.

I mentioned it at the beginning that in the chief designer carousel all free seats are now occupied, but Phoebe Philo is without a new task. Our theory is – and we have had that confirmed by a well informed insider – that she speculates on a very specific position (or that’s already sorted out). One of the biggest fashion houses in the world has had the same head designer for decades. But he is already in his mid 80s and the fashion world is talking louder and louder about his retirement: Karl Lagerfeld at Chanel.

He himself said a few years ago that everyone hopes that he retires so that they can get the job. And his job is probably the most sought-after one in the fashion world.

Phoebe Philo is trusted to do this job, so we believe it will not be long before the next change of personnel in the fashion world is announced.

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