Auf den Hund gekommen Teil 1

22/12/2017

Es ist nun ganz genau drei Jahre her, dass sich unser Leben ganz schön verändert hat.

Auf den Hund gekommen

Teil 1

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Das ist das erste Bild, das wir von Luke gesehen haben.
Da war er ungefähr 8 Wochen alt.

Ich bekomme oft die Frage gestellt, wo ich Luke „gekauft“ habe. Jedes Mal bin ich irgendwie verwirrt über diese Frage. Die Vorstellung, ich hätte ihn mir wie eine Jacke in einem Online-Shop ausgesucht und bestellt finde ich irgendwie befremdlich und passt für mich nicht. Mir ist schon klar, dass Menschen, die mir diese Frage stellen, es nicht so meinen, dennoch finde ich das Wort „kaufen“ in diesem Kontext unpassend, auch wenn ein Tier im juristischen Sinn eine „Sache“ ist und kein Lebewesen.

Es war ein ganz normaler Tag bei der Arbeit. Ich hatte nichts zu tun und verschwendete meine Zeit auf Tumblr Blogs und Facebook. Beim scrollen durch meine mit lustigen Videos verseuchte Timeline blieb ich bei einem Bild hängen. Es war das Bild eines Tierschutzvereins aus Augsburg. „Luke und seine süße Schwester Lulu wurden ausgesetzt und suchen noch ein liebes zu Hause“. Ich habe dieses Bild angeschaut – minutenlang – und ich wurde enorm emotional. Ich weiß nicht, was es war, aber irgendwie wusste ich „Das ist mein Hund“. Ich wollte gar keinen Hund – zumindest nicht jetzt – irgendwann halt, wenn ich ein Haus mit Garten habe oder so aber garantiert nicht jetzt.

Auf eigene Faust, einfach so, schrieb ich dieser Tierschutzorganisation, dass ich ernsthaftes Interesse habe. In den darauffolgenden Tagen terrorisierte ich jeden in meinem Umfeld mit diesem Foto – die meisten fanden das eine tolle Idee. Natürlich, die Vorstellung, ich hätte bald einen kleinen süßen Welpen daheim erfreute jeden – sie hätten sich ja auch nicht um ihn kümmern müssen. So gut wie niemand versuchte mir diese Hirngespinste auszutreiben. Zugegebenermaßen wusste ich natürlich auch, mit wem ich über so etwas rede und bei wem ich mich diesbezüglich lieber zurückhalte. Es wäre mir wahrscheinlich auch egal gewesen. Ich hatte auf alle möglichen Bedenken eine passende Antwort und bin extrem stur, wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe. Außerdem waren wir ja zu zweit. Und nachdem ich Philipp so lange genervt habe, bis er schließlich einwilligte, war alles egal.

Es war eine emotionale Achterbahnfahrt. Diese Organisation lebt von Freiwilligen, die neben ihren Berufen versuchen, herrenlose Hunde in ein fürsorgliches zu Hause zu bringen. Meine Bewerbung ging unter, sie wurde irgendwie übersehen und ich bekam wochenlang keine Rückmeldung. Es sollte wohl nicht sein und einen anderen Hund wollte ich nicht. Ich wollte Luke.

Einen Monat später postete die Organisation erneut ein Foto „Luke und seine Schwester suchen immer noch“ und ich wurde so richtig sauer. Ich schrieb ihnen, dass ich mich schon vor Wochen beworben hatte und dass Luke schon lange bei mir hätte sein können. Sie entschuldigten sich vielmals und ein paar Tage später saß eine Frau vom Tierschutz auf unserem Sofa und begutachtete uns und unsere Wohnung. Und dann ging alles sehr schnell. Erst hieß es, er komme erst im neuen Jahr und dann plötzlich kam die Nachricht, dass er bereits in zwei Tagen bei uns sein könnte. Natürlich entschieden wir uns für den frühesten Termin.

Zwei Tage Stress, Streit und Übelkeit. Jetzt überkam sie mich plötzlich: Die Unsicherheit. „Was mach ich da eigentlich?“, „Was binde ich mir da ans Bein?“, „Was ist wenn ich ins Ausland möchte?“, „Was ist, wenn wir uns trennen?“, „Was ist, wenn ich berufstätig bin?“ – Auf all‘ diese Fragen hatte ich mal eine Antwort und plötzlich schien alles gar nicht mehr so einfach. In der Nacht, in der Luke zu uns kommen sollte, hab ich mich drei Mal übergeben, weil ich so aufgeregt war. Ich weiß, viele können sich das gar nicht vorstellen – aber das ist nun mal ein Hund und kein Hamster. Die Anweisungen für die „Übergabe“ machte das nicht besser. Um 2 Uhr nachts auf dem Ikea Parkplatz. Da standen wir nun. Auf einem leeren Parkplatz. In einer Eiseskälte und warteten auf den Transporter aus Kroatien.


The Luke Lin Story

Part 1

It is now exactly three years ago that my life has changed quite a bit.

I often get the question where I „bought“ Luke. Every time I am somehow confused about this question. The idea that I would have chosen him like a jacket in an online store and ordered is super strange and does not fit for me. I realize that people who ask this question do not mean it in a bad way but the word „buy“ is inappropriate in this context.

It was a normal day at work. I had nothing to do and wasted my time on Tumblr blogs and Facebook. When scrolling through my timeline contaminated with funny videos, I stuck to a picture. It was the picture of an animal welfare association from Augsburg. „Luke and his sweet sister Lulu have been abandoned and are still looking for a nice home“. I looked at this picture for several minutes and I became enormously emotional. I do not know what it was but somehow I knew „this is my dog“. I did not want a dog – at least not now.

On my own, just like that, I wrote to this animal welfare organization that I have serious interest. In the following days I terrorized everyone around me with this photo – most of them thought that was a great idea.

It was an emotional roller coaster ride. This organization lives on volunteers who, in addition to their occupations, are trying to bring stray dogs to a caring home. For some reasons the organization lost my message. I did not hear from them for weeks and I thought that I won’t get Luke – and I did not want any other dog.

One month later the organization posted another photo „Luke and his sister are still looking“ and I got really angry. I wrote to them that I had applied weeks ago and that Luke could have been with me for a long time. They apologized many times and a few days later a woman from the Animal Protection sat on our sofa and examined us and our apartment. And then everything went very fast. First they said that Luke will come in January and then suddenly the news came that he could already be with us in two days. Of course we decided on the earliest date.

Two days of stress, quarrels and nausea. Now it suddenly came upon me: the uncertainty. „What am I doing?“, „What do I hook up with?“, „What if I want to go abroad?“, „What if we split up?“, „What if I’m working? „- For all these questions I used to have an answer but suddenly everything did not seem so easy any more. We should come to an Ikea parking lot at 2am. There we stood now. In an empty parking lot. In a freezing cold and waited for the transporter from Croatia.

1 Comment

  • 5 Monaten ago

    Such a sweet story. Re-inforced my belief in adopting pets.

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