Vielleicht gehe ich ein bisschen anders an die Sache ran, weil ich nicht ganz so businessorientiert bin wie einige meiner Kollegen. Instagram ist für mich nicht einfach eine Plattform, um Geld zu verdienen, sondern noch immer eine kreative Community. Ein Schmelztiegel vieler Menschen mit den unterschiedlichsten Talenten und Bildsprachen. Ein Ort, an dem ich sehr viele tolle Menschen kennengelernt habe. Nicht nur das. Instagram und vor allem auch mein Blog haben es möglich gemacht, dass ich ein in vielerlei Hinsicht tolles Leben führe. Ich möchte euch nun einen Blick dahinter gewähren. Auch weil ich glaube, dass ich das ganze mittlerweile ziemlich reflektiert betrachten kann. Das hier sind keine Tipps für einen erfolgreichen Blog, keine Klagelieder über das ungerechte Leben eines Bloggers, kein Influencer- und Instagram-Bashing.

Das hier ist nur meine Sicht auf eine Branche, die ich in den letzten Jahren kennengelernt habe. Ich will viele von euch ermutigen, warnen und niemanden angreifen.

INSTAGRAM, REICHWEITENDRUCK UND SELBSTZWEIFEL

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Ich betrachtete oft meinen Instagram-Feed und fragte mich: Bin das noch ich? Muss ich etwas ändern? Ich analysierte andere große Accounts und fragte mich ernsthaft: „Was mache ich falsch?„ Ich bin kein Model und von Haus aus auch nicht reich, habe mir alle meine Markenklamotten selbst erarbeitet und kann nicht alle zwei Wochen eine neue Luxustasche in die Kamera halten. Meine Talent für Fotografie lässt sich erahnen, meine Essensbilder und Flatlays sind schön aber das alles können andere viel besser.

„WARUM SOLLTE MAN MIR EIGENTLICH FOLGEN?“

Diese Frage hat mich eine lange Zeit beschäftigt, ja fast gequält. Wieso wachsen meine Zahlen so langsam, während sie bei anderen Bloggern in wenigen Monaten durch die Decke gehen? Habe ich den „Absprung“ nicht geschafft? Gehöre ich jetzt zu den Namenlosen? Verdrängt mich die nächste Influencer-Generation? Nein. Diese Fragen sind nicht nur selbstzerstörerisch – sie sind meinen treuen Lesern und Followern gegenüber sogar beleidigend. In letzter Zeit lese ich oft Texte von Kollegen, die sich darüber beklagen, dass sie mit ihrer vorhandenen Reichweite nicht mehr das große Geld machen. Puh. Nun ja, als Bloggerkollege kann ich euch verstehen, als Leser denke ich mir:

„Ernsthaft? Du steigst in den schönsten Hotels ab, bekommst im Grunde alles geschenkt und jetzt beschwerst du dich, dass du dafür nicht gut genug bezahlt wirst? Sind wir Leser dir nicht gut genug?“

Sich bei den eigenen Lesern darüber zu beklagen, dass man nicht genügend Leser hat, empfinde ich als vollkommen unangebracht. Schwierig. Denn im Grunde sollten wir jeden einzelnen unserer Leser und Follower zu schätzen wissen. In einer Zeit, in der man sich für ein paar Cent einen Fake-Follower kaufen kann, ist jeder echte um so mehr wert. Es wird ja viel diskutiert darüber, ob Unternehmen auf Reichweiten oder auf Qualität setzen. Bekannter- und paradoxerweise geht das ja sehr oft nicht Hand in Hand. Aber was hat das zu bedeuten? Dass die Mehrheit der Deutschen nicht auf Qualität setzt sondern auf… Ja auf was eigentlich? Wenn Unternehmen und coole Projekte nur noch an die Blogger gehen, die einen großen Namen und eine noch größere Followerschaft haben und weniger an die, die einfach sehr gut zur Marke passen, dann ist das einfach dämlich – für alle Beteiligten. Das ist eigentlich auch kein Geheimnis mehr. Aus Verzweiflung machen wir Instagram und diejenigen, die durch die Plattform groß geworden sind, nieder, unterstellen ihnen den Kauf von Followern und den Einsatz von Bots (Oft zurecht). Gleichzeitig feiern wir plötzlich diejenigen, die zugeben, dass sie die eben genannten Praktiken anwenden oder angewendet haben, um ihre Reichweite zu erhöhen, und applaudieren ihnen auch noch für ihre Beichte, uns Leser jahrelang betrogen zu haben, nur um den eigenen Profit zu sichern.

Nichtsdestotrotz zeigen wir Blogger und Influencer im Moment erstaunlich oft mit dem Finger auf die anderen – der Neid und der eigene Selbstzweifel zerfrisst uns innerlich. Wir versuchen ständig, auf irgendwelche Trend-Züge aufzuspringen, um unsere Reichweiten zu erhöhen, und verlieren dabei unsere eigene Identität. Das gewisse Etwas, das uns mal den Großteil unserer Leser gebracht hat. Und auch ich ertappe mich manchmal selbst dabei, wie ich mir diese Frage stelle.

„WIESO ER?“ MEINT VIEL MEHR „WIESO NICHT ICH?“

Und dann erinnere ich mich daran, dass ich schon so tolle Projekte machen durfte, eben weil Unternehmen und Menschen an mich geglaubt haben. Weil ihnen meine Texte und meine Bildsprache gefällt und weil sie ernsthaft davon überzeugt sind, dass ich schlichtweg die Marke gut repräsentiere, auch ohne zu den „Mega Influencern“ zu gehören. Kooperationen, die sicher viele meiner Kollegen stutzig machten! „Wieso er?“

Ihr könnt euch nicht vorstellen, für wie viele große Projekte ich schon angefragt wurde. Anfragen, in denen man mir ganz klar suggerierte, dass man mich für das Projekt bereits ausgewählt habe. Das waren Reisen, Kampagnen mit namhaften Unternehmen, ein Advertorial in einem großen Magazin. Und ganz plötzlich heißt es dann aber: „Sorry, wir haben uns jetzt doch anders entschieden.“ In solchen Momenten schießt sie einem wieder in den Kopf, diese böse Frage nach dem „Wieso„. Auch hier hat man im ersten Moment das Gefühl, die anderen sind schuld. Schuld daran, dass ich mich jetzt minderwertig und schlecht fühle. Dabei ist es ja gar nicht so. Es war ganz allein meine Schuld, dass ich meine eigene Wertschätzung anhand Followerzahlen, Gefällt mir angaben und Kooperationsanfragen gemessen habe.

Ich musste erst lernen, damit umzugehen. Mit der Tatsache, dass man als Person vielleicht einfach doch nicht passt oder dass zumindest die Reichweite nicht stimmte. Lese ich eine spannende Kooperationsanfrage, versuche ich meine Freude und die Erwartungen zu zügeln, bis die Sache ganz fix ist. Ich weiß, dass da draußen viele sind, die gerne Blogger werden wollen. Leute, die mir schreiben und mich fragen, wie ich an solche Kooperationen komme und welche Ratschläge ich für sie habe.

Hier ist einer, den ich für eine Weile selbst nicht befolgt habe:

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BLEIB EINFACH DU SELBST!

Es gibt PR Manager, die euch vielleicht gerade beobachten, die euch toll finden und die eigentlich nur darauf warten, dass ihr die Mindestreichweite, die der Kunde sich nunmal wünscht, erreicht habt. Die eigentlich sehr gerne mit euch arbeiten wollen, aber einfach noch nicht können, weil auch sie sich nach jemandem zu richten haben. Die Kunst ist, geduldig zu sein und nicht ständig an sich zu zweifeln.

Ja – Instagram ist ein sehr schnelles Medium und ja, es ist wichtig, sich ständig weiterzuentwickeln. Sich neu zu erfinden, um frische Inhalte zu liefern. Aber. Orientiert euch nicht an den anderen. Versucht nicht zu sein wie die großen Influencer – denn die gibt es ja schon. Glaubt nicht, ihr könntet an den Erfolg der anderen anknüpfen, indem ihr ihre Posen, ihre Bildsprache oder ihren Stil 1:1 adaptiert. Mal ehrlich – Möchtest du die günstigere Version eines Mega-Influencer sein? Sich Inspiration zu holen ist vollkommen okay. Aber sei du selbst, habe eine Botschaft, eine eigene (!) Ästhetik und Persönlichkeit.

Ich glaube, ich bin ein ganz Gutes Beispiel dafür, dass einige Unternehmen anders denken. Dass ihnen allein die Reichweite gar nicht so viel bringt und es bei einer Bloggerkooperation ja auch vielmehr um das Branding geht. Um ein Image, um einen Markenbotschafter. Und ich sage euch: Das ist die Zukunft – also bleibt am Ball.

Das klingt jetzt, als würde ich euch doch Tipps geben, wie ihr erfolgreiche Blogger werdet. Aber eigentlich will ich mich hiermit nur selbst daran erinnern, meinen eigenen Weg zu gehen und mich nicht immer mit anderen zu messen.

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