Interview mit Narciso Rodriguez

22/09/2017

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Interview mit Narciso Rodriguez

„Berlin hat meine neuste Kollektion beeinflusst“

Ich gehe durch die Kollektion, versuche, mich auf die einzelnen Stücke zu konzentrieren, um meine Aufregung in den Griff zu bekommen. Ich habe noch nie ein Interview geführt und ich weiß überhaupt nicht, ob ich das kann. Vielleicht hätte ich vorher mal üben sollen. Im August 2016 lancierte Narciso Rodriguez seinen zweiten Männerduft for him bleu noir. Ich wollte mehr über den Duft und natürlich über ihn erfahren.

FOR HIM LE BLEU NOIR ist ein sehr persönlicher Duft. Wie viel Narciso steckt drin?
Es ist lustig, dass wir uns gerade jetzt treffen, denn ich komme gerade vom Duft-Designen und bin in eine riesige Duftwolke eingehüllt. Ich mache das wirklich gern und mit ganzem Herzen. Ich stecke sehr viel Energie und meine Seele rein. Der Design-Prozess ist bei Parfums aber ganz anders als bei Kleidung, Taschen und Schuhen. Alle meine Düfte gründen in meiner persönlichen Liebe zu Moschus und dem Versuch, ihn neu zu erfinden.

Du arbeitest also schon am nächsten Parfum?
Ich arbeite sogar an drei…

Für sie oder für ihn?
Das werde ich nicht verraten. Überraschung!

Ab wann ist er erhältlich?
Das eine schon sehr bald, das zweite im nächsten Jahr und das dritte wahrscheinlich 2018.

Wie gehst du vor, wenn du einen neuen Duft kreierst?
Das ist eigentlich immer unterschiedlich. Am angenehmsten ist es für mich, wenn ich einem professionellen Parfümeur meine Ideen nenne, also zum Beispiel ob ich es sehr romantisch haben will. Bei for him bleu noir war mir von Anfang an klar, wie ich es haben möchte und wonach es duften soll. Wir haben ein sehr modernes, sehr cleanes und sinnliches Parfüm entwickelt, einen etwas außergewöhnlicheren Männerduft, wohingegen das original for him ein klassischer Männerduft ist. For him bleu noir bringt den Männerduft auf eine modernere Ebene, so dass Jungs wie ihr sich damit wohlfühlen und ich auch.

Als ich ihn das erste Mal gerochen habe…
Ich trage ihn gerade!

Ich trage ihn auch!
Ich habe sogar die allererste Flasche, nicht die schöne, die du hast. Es ist eine riesige Industrieflasche und ich bin von oben bis unten damit eingehüllt.

FOR HIM BLEU NOIR ist dein zweites Parfum für Männer aber deine Mode ist nur für Frauen. Wie stehen die Chancen für eine Herrenkollektion?
Tatsächlich habe ich zwei Jahre lang Herrenmode gemacht, als das originale for him gelaunched wurde. Das war direkt vor der Finanzkrise. Damals war jeder sehr vorsichtig und zögerlich und die Firma hat einige Veränderungen durchgemacht, deshalb haben wir gesagt, dass wir die Männerlinie vorerst aufs Eis legen und uns auf Damenmode fokussieren. Ich würde niemals nie zur Männermode sagen, ich glaube sogar, dass sich meine Arbeit sehr gut für Herren eignet, weil sie durchaus von einer maskulinen Denkweise geprägt ist. Man weiß nie, eines Tages vielleicht.

Glaubst du es ist besser für einen jungen Designer, wenn er sich auf eine Sache fukussiert – Damen- oder Herrenmode – anstatt beides zu machen?
Ich glaube, irgendwo muss man anfangen. Klar, wenn deine Mode sich dazu anbietet, beides zu machen, dann solltest du es tun. Es gibt viele Kollektionen, Marken, Designer, die tolle Unisex-Dinge machen. Es liegt am Designer, sich zu entschieden. Als ich meine Ausbildung gemacht habe, war es noch eine andere Zeit. Für mich war es sehr wichtig, von Leuten zu lernen, die ihr Handwerk verstanden und ich glaube, dass es ein großes Geschenk war, mit so großartigen Menschen wie Anne Klein, Donna Karan und Calvin Klein zu arbeiten, die mir beigebracht haben, wie man richtig schneidert und näht.

War dir von Anfang an klar, dass du Damenmode machen wirst?
Ja. Ich habe das für mich entschieden, als ich noch ein Kind war.

Was bedeutet es für dich, Dinge zu kreieren?
Das ist eine sehr interessante Frage. Es gibt so viel Fast Fashion und sogar die Luxusmarken machen jetzt schon einfache T-Shirts. Ich liebe T-Shirts, ich trage gerade sogar eins. Aber ich finde, es ist so ein tolles Gefühl, Dinge zu machen, herzustellen, die ganze Aufmerksamkeit auf die Details, den richtigen Stoff und die Verarbeitung zu legen. Vor kurzem war eine Beraterin hier, die schon sehr lange in der Modeindustrie arbeitet. Sie hat in alle Stücke reingeschaut und gesagt „Oh mein Gott, das ist auch innen so schön!“ und ich sagte „Na klar, es muss so sein, denn das macht Kleidung aus.“ Das sind Sachen, die am wichtigsten sind.

Definitiv. Ich liebe ein schönes Futter. Das ist etwas sehr persönliches, das niemand sieht, außer man selbst! Du hast in Paris, Madrid und Mailand gearbeitet, aber deine Marke in New York gegründet. Warum?
Hier komme ich her. Und es war ein guter Zeitpunkt, hier zu zeigen. Mode war damals noch viel kleiner in New York, es gab viel weniger Shows. Jetzt gibt es sehr viele, es ist fast schon erdrückend. Aber es macht immer noch Spaß!

Würde deine Mode anders aussehen, wenn du in Paris oder Mailand wärst?
Ich glaube nicht. Ich versuche stets, mein Ding durchzuziehen. Manchmal hat es geklappt, manchmal nicht.

New York ist Inspiration für dich, oder?
Ja, und Paris und Berlin auch. Meine neuste Kollektion ist stark beeinflusst von meinem Aufenthalt in Berlin.

Wirklich?
Ja. Ich war dort und habe so viele Sachen gemacht. Ich habe so viel gesehen, so viele interessante Leute kennengelernt. Ich bin durch die Stadtteile gelaufen, habe tolle Museen und Ausstellungen gesehen, so viele tolle Galerien. Ich war im Berghain. Das alles, die Leute, die Stadt, hat mich so inspiriert. Ich glaube, das war eine tolle Grundlage und Inspirationsquelle für diese Season.

Die Berlin-Edition sozusagen…
Ja, sozusagen. Ich mag das Urbane. Ich liebe es, wie Menschen sich in Städten bewegen und wie sie dort leben. New York ist eine spannende Stadt, genauso wie Berlin. Das inspiriert mich wirklich.

Was ist dein Lieblingsplatz in New York?
Ich lebe in Chelsea und ich mag Chelsea sehr, vor allem wegen der Galerien und der Kunstszene. Es macht Spaß, dort zu leben. Aber ich hole meine Inspiration auch von der Lower Eastside und ich liebe das East Village.

Ich bin noch Student und du hast viel Erfahrung im Mode-Business! Du hast deine eigene erfolgreiche Brand gegründet. Welchen Rat kannst du mir als künftigen Mode-Designer geben?
Du musst durchhalten. Du musst dich darauf einstellen, dass du kaum Privatleben mehr hast. Ich glaube, heute gibt es zwei Arten, in der Mode Karriere zu machen. Ich habe in Paris diesen fantastischen Designer kennengelernt, der einfach nur berühmt werden wollte. Online kannst du ganz schnell ein berühmter Designer werden und so Karriere machen. Oder du machst es wie ich und lernst von Designern, die du gut findest. Ich bin daran gewachsen und habe so viel gelernt bevor ich mich selbstständig gemacht habe. Heute wollen so viele junge Leute einfach nur raus und eine Firma gründen. Ich bewundere das, aber für mich war es wichtiger, zu lernen. Ich habe sehr viel über das Business und das Handwerk gelernt und jetzt, nach all den Jahren als eigene Marke, muss ich sagen, dass es so richtig war.


Interview with Narciso Rodriguez

„Berlin has inspired my latest collection“

Narcisco Rodriguez – He embodies what I want to be. He’s a successful designer and a perfumer, a maker. It was my first interview ever and I have to admit that I was a little bit overwhelmed by the situation. Narciso Rodriguez launched his second fragrance for men for him bleu noir in August. I wanted to know more about the scent but also about him as a designer. FOR HIM BLEU NOIR is a quite personal fragrance for you. How much Narciso is in it?
It’s funny that we are meeting because this morning I was doing fragrance designing and I’m covered in smells and this is something that I really enjoy and work on wholeheartedly. I put all my energy and my soul into it. The design process is very different from making clothes, bags and shoes. All my fragrances evolved from my personal love of musk and finding new ways to reinvent musk for today.

So you are already working on the next perfume?
I’m working on three…

For him and for her?
I’m not saying. Surprise

When will they be released?
One will be soon, and within the next year and one in 2018, I guess.

How do you create the Scent?
It’s always different the way that we work. It’s easy for me to say things to a professional perfumer like I have an idea for something that’s very romantic or like this and like that. For blue noir it was very clear where I had been and the things in the fragrances that I love. We created something that was very modern, very clean and very sensual, kind of a different men’s fragrance whereas the original for him is a classic men’s fragrance. Blue Noir was taking men’s fragrance into a more modern approaching. Something that you guys would feel comfortable in and that I would be comfortable in.

When I first smelled it…
I’m wearing it today!

I’m wearing it as well!
Well, I have the first bottle It’s not like the pretty bottle that you have. It’s like a giant, industrial bottle so I’m covered in it because we had a big test this morning.

THE BLEU NOIR is your second fragrance for men but you only make fashion for women. Have you ever thought about making a men’s collection?
Actually when we launched the original for him we did two years of men’s wear. That was right before the economy and everything crashed. Everyone was very hesitant and the company went through changes and so we thought let’s put a hold on men’s wear and focus on the women. I would never say never to doing men’s wear I think my work lends itself to men’s wear because it’s based in tailoring and structure which comes from a men’s mentality. So you never know. Maybe one day.
Do you think it’s better for a young designer to focus on one thing – men’s wear or women’s wear – instead of doing both?
I think you have to start somewhere, you know. Sure, if you do a kind of fashion that lends itself to both, you should do it. There are many collections, brands, designers who make great unisex things. It’s for the designer to choose. For me it was a different time when I was training. For me it was important to learn from people who are very knowledgeable and I consider it such a gift that I got to work with people and craftsmen when I worked with Anne Klein, Donna Karan or Calvin Klein who taught me how to tailor and cut.

Was it clear to you from the beginning that you would do women’s wear?
Yes. I was I child when I decided that.
What does it mean to you to make things?
That is an interesting question. I think now there is so much fast fashion and even like top brands, luxury brands they make t-shirts. I love them, I wear one right now. But I think it’s such a great moment to make things, to really pay attention to the details and the fabric and the finishing. We had a person come in as a consultant recently. She’s been working in fashion industry for a long time. She opened everything and she said “Oh my god, that’s so beautiful on the inside, too.” And I said “Of course, they have to be. That’s what makes them good.” That are the things that are really important.

Definitely. I really love a beautiful inner lining. That’s something very personal because you are the only one who sees it, it’s just for you! You worked in Paris, Madrid and Milan but you have settled your brand in New York. Why?
It’s my home. And it was a moment in fashion where it was a good time to show here. Fashion was much smaller back then, there were many less shows. Now it’s a lot of shows, so many shows, it’s a bit overwhelming now. But it’s still fun.

So do you think that your fashion would look different if you were in Paris or Milan?
I don’t think so. I try to do my work and I think there are certain influences that I tried to remain consistent. I’ve tried. Sometimes it’s been more successful than other times.

You get inspired by the city new York?
Yes, and Paris and Berlin. Well, I think so much of my new collection came from my visit to Berlin.

Really?
Yes. I was there and I did so many things, I saw so many things, I met so many interesting people. I went to the boroughs and museums, I saw so many great exhibits, so many great galleries. I went to Berghain. I just was so inspired by everything, the people and the city. I think that was a great foundation and a source of inspiration for this season.

So this is your Berlin edition?
Yeah, sort of. I like an urban environment. I love to see how people move and how people live in cities and certainly New York is a very exciting city and so is Berlin. That really inspires me.

What’s your favorite place here in new York?
I live in Chelsea and I really like Chelsea because of the galleries and the art scene there. It’s fun living there. But I also have a lot of inspiration from the Lower Eastside and I love the East Village.

That’s where we’re staying! Do You have any advice for us where we have to go?
(laughs) There are so many places to go! I’ll make you a little list.

You have a lot of experience in fashion business and you have founded your own brand very successfully. What advice can you give me as a future fashion designer?
You have to persevere. You have to be committed to giving up your life. I think today you can have different kinds of careers in fashion. I’ve met that fantastic designer in Paris who just wanted to become famous. So you can be a famous designer online and make a career that way or you can do it like me and learn from designers and craftsmen who you respect. I grew so much and learned so much and then I started. I think today so many young people just wanna go out and start a company. I have admiration for that but for me it was very important to learn. I learned about business and crafts and now that I have evolved and grown through the years I feel like I’m in a good place.

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