Während ich diesen Text schreibe, sitze ich am Frankfurter Flughafen. Ich habe keine Sekunde geschlafen, da man mich bereits um 4.00 Uhr morgens vom Hotel abgeholt hat.
Ich gehe heute Abend mit meiner Schwester, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe, ins Musical. So kurz vor Weihnachten wollte ich keine Flugverspätung riskieren, also nahm ich den frühesten Flug nach Hause. Eigentlich wollte ich wegen des Musicals gar nicht nach Porto fliegen – Mensch, das wäre ärgerlich gewesen.

english

#livingwiththelins 2018

Jahresrückblick

Ich bin völlig übermüdet und erschöpft. Das letzte Mal, dass ich eine Nacht durchgemacht habe, ist zufälligerweise ziemlich genau ein Jahr her, als die In-Design Datei meiner Bachelorarbeit ganz plötzlich beschädigt war und wir alles von vorne machen mussten. Ich erinnere mich noch ganz genau an dieses super stressige Jahresende und schwor mir, nächstes (also dieses) Jahr wird es besinnlich(er). Ich sah mich schon wie ein verrückter Weihnachtself durch die Gegend hüpfen und jeden mit meiner widerlichen Jolly-Holly-Christmas Laune anstecken.

Hat nicht geklappt. Gegen Ende des Jahres kam noch richtig viel Arbeit auf uns zu, was gut ist, denke ich.

2018 war ein unfassbar aufregendes Jahr. Im Januar habe ich meine Bachelor-Kollektion vollendet und abgegeben. Für mich war die Sache damit eigentlich abgeschlossen und ich wollte nach vorne schauen und mich neuen Dingen widmen. Aber ich musste die Kollektion im wahrsten Sinne des Wortes immer wieder aus dem Schrank holen, bügeln und für Shootings bereit machen.

Daran sieht man, wie unterschiedlich die Wahrnehmung sein kann. Ich selbst habe mich so lange und intensiv mit meiner Kollektion beschäftigt, dass ich sie irgendwann nicht mehr sehen konnte – während andere teilweise erst Monate später über Artikel und Bilder in Zeitungen und Zeitschriften auf meine Kollektion aufmerksam wurden und sie fotografieren wollten.

Dass ich mich selbst jetzt – fast ein ganzes Jahr später – noch damit beschäftigen muss, hätte ich nicht gedacht.

Ich hätte generell nicht gedacht, dass diese Kollektion mein Leben so auf den Kopf stellt. Erst wurde ich von einer unabhängigen Jury zum „Best Graduate“ meines Jahrgangs gekürt. Im Sommer folgte das wohl schönste Fotoshooting, das ich je miterleben durfte. Tänzer des Stuttgarter Balletts haben meine Mode zum Leben erweckt und Julia Sang Nguyen hat diese Momente eingefangen.

Als wäre das nicht schon ein unfassbar tolles Gefühl gewesen, landeten diese Fotos in der deutschen Vogue und im Rahmen der Berliner Fashion Week auch als Fotoaustellung im Vogue Salon. Daraufhin hat die Süddeutsche Zeitung den zweiten Artikel über mich geschrieben.

Kurz vor Jahresende hat mich meine Uni für einen internationalen Modepreis nominiert.
Bei diesem Preis traten 7 Nationen mit jeweils 3 Nominierten an. In der hochkarätigen Jury saßen unter anderem der Gründer von Fucking Young und eine Redakteurin von Business of Fashion.
Ich gewann in der Kategorie „Best Fashion Collection Germany“.

Ein weiteres Projekt hat mich fast das ganze Jahr begleitet, das Hochzeitskleid für eine meiner engsten Freundinnen. Angefangen haben wir direkt nach Abschluss meiner Bachelor-Kollektion im Februar aber so richtig ernst wurde es dann im September, kurz vor der Hochzeit. Das Brautkleid war eines der schönsten (weil emotionalsten) Projekte, das ich bisher umgesetzt habe. Es hebt sich vor allem deshalb von meinen anderen Kollektionen ab, weil es tatsächlich einen Sinn, eine Funktion hatte. Es wurde geschaffen, um auf der Hochzeit getragen zu werden und einen Menschen glücklich zu machen.

Besonders gefreut hat mich die durchweg positive Resonanz, die ich auf das Kleid bekommen habe. Zunächst einmal natürlich von der Braut selbst, aber auch von Menschen in der Modewelt, zu denen ich schon lange aufsehe.

Es war toll, im vergangenen Jahr Sachen außerhalb der Influencer-Sphäre zu erleben und Teil der Mode zu werden, schließlich war das ja der Grund für mein Studium.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass andere sich fragen, was ich eigentlich das ganze Jahr gemacht habe. Das führt so weit, dass ich mich manchmal dazu gezwungen fühle, Sachen zu posten, damit niemand denkt, dass ich nichts mache. Aber in der echten Welt brauchen Sachen eben viel mehr Zeit als in der schnelllebigen Social Media Welt und wenn man Träume hat, sollte man sie langsam und sorgfältig angehen.

Ich bin in der Mode angekommen und werde nicht mehr nur als „Influencer“ wahrgenommen (das war eine meiner größten Ängste). Trotzdem habe ich weiterhin große Freude daran, „Content Creator“ zu sein und Projekte für Kunden umzusetzen und Konzepte zu erstellen.
Das ist es, was wir das vergangene Jahr hauptsächlich gemacht habe. Wir haben uns die Kunden herausgesucht, mit denen wir wirklich zusammenarbeiten wollten. Wir konnten viel umsetzen, haben unsere Handschrift weiterentwickelt, sind viel gereist und haben unsere Partnerschaften ausgebaut.

In Zukunft werden wir noch redaktioneller arbeiten. Wir haben keine Angst vor kritischen Themen und klaren Positionen, denn es ist wichtig, als Meinungsmacher Dinge auch kritisch zu betrachten. Das vermissen wir bei vielen Blogs und Magazinen und wollen daher verstärkt Texte schreiben, in denen wir Stellung beziehen.

Ansonsten ist es gerade sehr schwer zu sagen, was die nächsten Monate bringen. Ich bin zwar eigentlich ein Mensch, der alles im Voraus plant, aber jetzt ist das eben anders und so langsam finde ich mich damit ab und lasse 2019 einfach auf mich zukommen.


I am sitting at Frankfurt Airport writing this text. I did not sleep for a second as I was already picked up at 4am from the hotel.

I’m going to the musical tonight with my sister, whom I have not seen in a long time.I did not want to risk a flight delay as it’s just before Christmas so I took the earliest flight home. Actually, I did not want to fly to Porto at all because of the musical – well, that would have been annoying.

I’m completely tired and exhausted. The last time I didn’t sleep all night happened to be just one year ago when the In-Design file for my bachelor thesis was suddenly damaged and we had to do it all over again. I exactly remember this super stressful end of the year and swore to myself, next year (this year) it will be completely different. I already saw myself jumping around like a crazy Christmas Elf and infecting everyone with my disgusting Jolly-Holly-Christmas mood.

Did not work. We had a lot of work to do towards the end of the year, which is good, I think.

2018 was an incredibly exciting year. In January I completed and submitted my bachelor collection. For me, the whole thing was actually done and I wanted to look ahead and devote myself to new things. But I literally had to get the collection out of the closet, iron it and prepare it for shootings.

This shows how different the perception can be. I spent so much time working on my collection that I could not see it any more – while some months later others became aware of my collection from articles and pictures in newspapers and magazines and wanted to shoot it, too.

I would not have thought of myself having to deal with it now, almost a full year later.

I generally did not think that this collection would turn my life upside down. First, I was named “Best Graduate” by an independent jury. In the summer, we had the most beautiful photo shoot, which I was ever allowed to witness. Dancers of the Stuttgart Ballet have brought my fashion to life and Julia Sang Nguyen has captured these moments.

As if that had not been an incredibly great feeling, these photos even landed in the German Vogue and as part of the Berlin Fashion Week as a photo exhibition in the Vogue Salon.
Then the Süddeutsche Zeitung (a big German newspaper) wrote the second article about me.

Right before the end of the year, my university nominated me for an international fashion award. At this competition, 7 nations with 3 nominees each competed for the win. The high-caliber jury included the founder of Fucking Young and an editor of Business of Fashion.
I won in the category “Best Fashion Collection Germany”.

Another project accompanied me almost the whole year, the wedding dress for one of my closest friends. We started right after completing my bachelor collection in February, but it got really serious in September, just before the wedding. The bridal dress was one of the most beautiful (because most emotional) projects that I’ve done so far. It stands out, above all, from my other collections, because it actually had a purpose, a function. It was created to be worn at the wedding and to make a person happy.

I was particularly pleased by the consistently positive reactions I received to the dress. First of course from the bride herself, but also from people in the fashion world, to which I look up since a long time.

It was great to experience things outside of the sphere of an influencer and become part of “fashion”, after all, that was the reason for my studies.

Sometimes I get the feeling that others are wondering what I’ve been doing all year. This goes so far that sometimes I feel compelled to post stuff so no one thinks I’m not doing anything. But in the real world, things take much more time than in the fast-paced social media world, and if you have dreams, you should approach them slowly and carefully.

I am part of the fashion world now and I’mno longer just seen as an “influencer” (that was one of my biggest fears). Nevertheless, I continue to enjoy being a “content creator” and implementing projects for clients and creating concepts.
That is what we have mainly done over the past year. We picked out the customers we really wanted to work with. We have been able to do a lot, have developed our aesthetics, traveled a lot and expanded our partnerships.

In the future we will work even more editorially. We are not afraid of critical issues and clear positions because it is important to be critical of opinion as an opinion maker. We miss that in many blogs and magazines and therefore want to increasingly write texts in which we take a position.

Otherwise, it is very difficult to say what the next months will bring. Although I’m actually a person who plans everything in advance, but now it’s just different and I slowly accept that and am curious what 2019 will bring to us.

1 Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.