Zwischenstop – Heimat Stuttgart – #livingwiththelins

16/10/2018

Philipp und ich sind vor ein paar Monaten umgezogen.
Das habt ihr gar nicht mitbekommen?
Ich weiß.

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#livingwithtthelins

back to the roots.

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Wie ihr sicherlich bemerkt habt, habe ich nicht mehr wirklich das Bedürfnis, jede Kleinigkeit in meinem Leben auf Instagram hochzuladen. Ich bin sehr froh über diese Entwicklung und auch ein wenig Stolz darauf, mich selbst nicht mehr dem Druck auszusetzen, alles teilen zu müssen.
(Oftmals verfalle ich aber noch in alte Muster und fotografiere mein Essen, um es dann nicht hochzuladen.)

Ich habe in den letzten Monaten sehr viele schöne Dinge erlebt, die sicher teilenswert gewesen wären, aber aus irgendeinem Grund wollte ich sie nicht mit euch teilen.

Zugegebenermaßen ist das in meiner Person als Blogger aka „Influencer“ kein besonders kluger Schachzug. Die Kommunikation mit seinen Followern aufrecht zu erhalten ist wichtig und ich habe sie mehr oder weniger beendet. Vielleicht ist es auch ein Grund, warum ich mich nun wieder an euch wende. Ich vermisse das Schreiben. Ich vermisse auch den Austausch.

Seit meinem Uni-Abschluss ist so einiges passiert und so kommt es mir vor, als wäre der Umzug tatsächlich schon eine Ewigkeit her. Kartons packen, Möbel verkaufen, der ganze Stress mit der Wohnungsübergabe. Wir haben ein wirklich schönes zu Hause aufgegeben und sind zurück nach Stuttgart gezogen. In die Stadt, in der wir beide geboren und aufgewachsen sind. Mit der festen Überzeugung, dass dies nur eine Zwischenlösung ist.

Warum?

München ist eine großartige Stadt, die sehr viel Lebensqualität bietet. Wir hätten jahrelang gemütlich weiter dort leben können und alles wäre gut gewesen. Ich habe die Wohnung geliebt, in der wir lebten, allerdings hat mir die Stadt persönlich nichts mehr gegeben. Es war sehr gemütlich und aus Gemütlichkeit entsteht in den meisten Fällen nichts Aufregendes. So fühlte ich zumindest. Auf lange Sicht wäre die Wohnung auch irgendwann zu klein geworden. Im Grunde war sie es sowieso immer schon.

Doch wohin? Ich hatte gar keine Alternativstadt. Zumindest keine, die so wirklich Sinn für unsere Situation gemacht hätte. Kurz nach dem Studium wussten wir ohnehin nicht, wohin die Reise wirklich geht und deshalb war die einzig logische Konsequenz der Schritt in die Heimat. Hier lenkt mich nichts unnötig ab. Es ist nicht toll genug, um hier ewig zu bleiben und ich habe auch nicht den Druck, eine „neue“ Stadt kennenlernen zu müssen. Stuttgart ist eben unsere Heimat. Nicht mehr und nicht weniger. Wir kennen uns hier aus, wir haben ein intaktes soziales Netzwerk und natürlich Familie.

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Es war letzten Endes eine super pragmatische Entscheidung, für die ich aber sehr lange gebraucht habe. Es fühlte sich lang zu stark nach einem „Rückschritt“ an und das war das letzte, das ich wollte. Ich bin ein sehr ehrgeiziger Mensch und habe mit 17 einen 10-Jahresplan für meine Zukunft erstellt. Stuttgart stand definitiv nicht auf diesem Plan. Vielleicht London, Paris oder Hamburg. Aber sicher nicht die Stadt, die ich als Jugendlicher gehasst habe.

Wenn wir anderen von unseren Plänen erzählten, hatte ich auch oft das Bedürfnis, mich dafür zu rechtfertigen. Besonders die Münchner Modemenschen haben den Umzug nach Stuttgart nicht verstanden. Meist trafen uns irritierte große Augen und die Frage „Was wollt ihr denn dort?“ – Ich hatte manchmal das Gefühl, sie waren sogar leicht angewidert.
Als wäre Stuttgart ein hässliches Loch, das seine Bewohner aufisst.

Ja, Stuttgart ist gewiss nicht die schönste Stadt der Welt und ja, in München passiert definitiv mehr. Dort sitzen Verlagshäuser und PR Agenturen. Sowohl als Blogger als auch als angehender Designer eine Stadt, die absolut Sinn macht. Womöglich möchte ich aber eben genau diese Distanz. Weniger oberflächliche Kaffee-Gespräche, Presseveranstaltungen und ein selektiverer Konsum von glitzernden Champagner-Events.

Im Moment möchte ich aber vor allen Dingen meine Ruhe. Ich möchte mich auf ein besonderes Projekt konzentrieren können, das sehr viel Zeit, Kraft, Geld und Nerven kosten wird. Ich habe in den letzten Jahren eine, für mich nun eher fragwürdige, Prioritätsverteilung gehabt und möchte diese nun umstellen. Wie ihr seht sind wir nach wie vor sehr viel unterwegs und deshalb ist es umso wichtiger, dass ich mich in gewissen Situationen fokussieren kann.

Zu social Media führe ich (wie so viele Menschen) noch immer eine innige Hassliebe und auch auf diesem Gebiet versuche ich mich selbst zu therapieren, indem ich mich, wie beispielsweise in diesem Moment, zu den Wurzeln meines Blogger-Daseins zürückbegebe.

Für andere mag es wie ein Rückschritt wirken.
Manchmal jedoch muss man einen Schritt zurück machen, um zwei nach vorne gehen zu können. Ich sehe es als Anlauf.

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back home to stuttgart

Philipp and I moved to our home city some months ago.
You did not notice that? I know.

As you’ve probably noticed, I no longer really feel the need to upload every little detail of my life to Instagram Stories. I am very happy with it and also a little proud of not having to put myself under the pressure to share everything.
Sometimes I still fall into old patterns and take pictures of my food, but I do not upload them.

I’ve made a lot of beautiful experiences in recent months that would have been worth to share but for some reason I did not want to share them with you.

That is, I grant, not a smart move as I’m a blogger aka „influencer“. Maintaining communication with your followers is important and I have more or less stopped that. Maybe it’s the reason why I turn back to you now. I miss the writing. I miss the communication.

A lot has happened Since my graduation and as I just mentioned, we have have moved away from Munich some time ago. We moved back to Stuttgart. To the city where we both were born and raised.

Why? Munich is a great city that offers a lot of quality of living. We could have lived there comfortably for years and everything would have been fine. However, Munich could not give me anything more. It was just cozy and comfort does not create anything exciting.

But where should we go? There was no city that I could think of. At least none that really made sense for our situation. Shortly after graduation, we did not know where our journey would go, so the only consequence was the go back home.

There’s nothing here that distracts me. Stuttgart is not great enough to stay here forever and I do not have the pressure to get to know a „new“ city. Stuttgart is our home. No more and no less. We know the city, we have an intact social network and, of course, family.

It was ultimately a super-pragmatic decision that that was quite hard for me. It felt like a „step backwards“ for a long time and that was the last thing I wanted. I am a very ambitious person and at the age of 17 I created a 10-year plan for my future. Stuttgart was definitely not on this plan. Maybe London, Paris or Hamburg. But certainly not the city that I hated so much as a teenager.

When we told other people about our plans, I often felt the need to justify myself. Especially the Munich fashion people did not understand the move to Stuttgart. „What do you want there?“ – I sometimes had the feeling that they were even slightly disgusted.

Yes, Stuttgart is certainly not the most beautiful city in the world and yes, in Munich there is definitely more happening. There are publishing houses and PR agencies. Both as a blogger and as a future designer, Munich is a city that makes sense.

But at the moment I just want it quiet. I want to be able to concentrate on a special project that will take a lot of time, energy, money and nerves. As you can see, we are still traveling a lot, so it is even more important that I can focus on certain situations.

And what I don’t miss at all is glittering events. Events that look amazing on Instagram Stories but in reality are really boring.
Or people who take themselves too serious and drown their worries secretly in free champagne.

I’m still in a love/hate relationship (like so many people) with social media and I try to cure myself with going back to the roots of my Blogger-existence as I do it right now.

For others it may seem like a step backwards.

Sometimes, however, you have to take a step back to be able to move forward two. I see it as a chance to speed up.

4 Comments

  • Annabelle
    1 Monat ago

    Stolz auf euch beide und umso gespannter was die Zukunft bringt. Manchmal ist ein schwieriger Schritt nötig um wieder klar sehen zu können wo man eigentlich wirklich sein will. ♥️ Kuss aus Amerika

  • tjelare
    1 Monat ago

    Ein authentischer, stimmiger und schöner Text. Heimat, Familie und alte Freunde haben und stiften Sinn. Zur Rückbesinnung auf die eigenen Wurzeln, Herkunft und Beweggründe. Zum Erholen und Durchschnaufen, unangestrengt sein können wie man ist, in gewohnter Umgebung, vorm – und das ist der wichtige Punkt – Anlauf nehmen und wieder Abspringen, in Richtung neuer, eigener Ziele. Schwierige Entscheidungen sind wichtige Entscheidungen und dürfen deshalb länger dauern. Zwischenlösungen sind wichtige Erholungsbänke im Fluss des Lebens. Gerade wenn im Leben viel passiert und Umbrüche bewältigt werden müssen, darf das Alte und Bekannte dabei helfen, die Vorbereitungen für die Zukunft gut zu begleiten. Ich wünsche euch eine gute Zeit in der Heimat und gute Entscheidungen für die Zukunft! Aber am allerwichtigsten, aus meiner sommerseeligen Sicht, habt einen guten Winter! Liebe Grüße aus München

  • Marco
    1 Monat ago

    Sometimes going backwards leads to a new path we did not even consider. I find this post very personal and inspiring somehow.

    Thanks for sharing.

  • Mai
    2 Wochen ago

    Also ich muss sagen, dass ich euch seit einiger Zeit auf Insta nicht mehr folge, weil es inhaltlich nicht meins ist. Umso schöner, dass ein sehr offener Text hier auf dem Blog erschienen ist! Ich freue mich also und finde es ist immer eine Ansichtssache, was nun Rück- oder Fortschritt ist.

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